Imagination Raum

So geheimnisvoll wie der Name ihrer Bilder (z.B. "Oriental Garden"), so ungewöhnlich der Entstehungsprozess. Kerstin Vornmoors „Räume“ enthalten Informationen, Gedanken und Gefühle, die über Zeichnen, Schreiben oder Malen bzw. während der Bewegung des Collagierens ihrer Rauminstallationen artikuliert werden. Dabei dient die Zeichnung als Ausgangslage für die Bildkomposition. Ihre Macht beruht auf dem Prinzip der „denkenden Hand“. Eine Struktur gibt den Rhythmus des Bildes vor - ein meditativer Vorgang einerseits, analytisch und prozesshaft andererseits. Kerstin Vornmoor baut beim Betrachten des Bildträgers eine Beziehung auf. Anschließend wird ein Sieb mit einer darauf belichteten Zeichnung als Vorlage wie ein Stempel benutzt. Im Prozess der Analyse und Meditation entsteht eine intuitive Verbindung zwischen dem Format des Bildträgers und der Form des Musterstempels (Zeichnung). Die Farbe wird Schicht für Schicht auf eine Leinwand aufgetragen. Der Malvorgang wird nach dem Trocknungsprozess mehrfach wiederholt. Dadurch entstehen Kanten, die gleich einem Relief hervortreten. Als Folge dehnt die Arbeit sich sowohl in der Fläche als auch in den Raum aus und nimmt eine plastische Dimension an. Ein grenzenloser Raum mit sich auflösenden Strukturen tritt in Erscheinung. Durch die Transformation wird die ursprüngliche Körperlichkeit des Werkes verworfen. Gerade in der unendlichen Vielfalt der ornamentalen Komposition vollzieht die Künstlerin einen Schöpfungsakt nach, dem zufolge alles aus verschiedenen Kompositionen gleicher Grundeinheiten besteht. Dieser Weg dient als Technik, seinen bewussten Gestaltungswillen selbst zu überlisten. Kerstin Vornmoor verschleiert Zeichnungen durch Malerei, um dem Wesen der Dinge näher zu kommen.Geheimnisvolle, menschliche Silhouetten tauchen unerwartet beim scheinbar monochrom grünen Kunstwerk “Secret Garden” je nach Blickwinkel und Lichteinfall aus der Nähe betrachtet auf. Aus der Distanz gesehen weisen die Oberflächen Parallelen zu den Kissenarbeiten Gotthard Graubners auf, deren Aufpolsterungen die räumliche Wahrnehmung verstärken. Diesen Effekt erreicht Vornmoor durch einen langwierigen Prozess des Auftragens und monatelange Trocknungszeiten der Farbschichtungen. Ihr bildnerisches Terrain bewegt sich durch die Wiederholung amorpher Formen, geschichteter Farbklänge und in sich verschachtelter Sequenzen im Grenzbereich von Abstraktion und Figuration. Meisterhaft erzeugt sie durch nebulöse Schleier eine Tiefe schemenhafter Sphären. Sie versetzt den Betrachter in einen Rausch halluzinativer Wahrnehmung. Vornmoor ermöglicht Ausblicke in einen imaginären Raum und bringt uns den Himmel ein Stück näher.
(Hans Tepe)