vita
Ein meditativer Vorgang einerseits und ein analytischer, prozesshafter Vorgang andererseits.
„Durch die Transformation der Struktur wird die Körperlichkeit des Kunstwerkes verleugnet (...) und es ist der aus der griechischen Philosophie übernommene Atomismus in Betracht zu ziehen, demzufolge alles aus verschiedenen Kompostionen gleicher Grundeinheiten besteht. Gerade in der unendlichen Vielfalt der ornamentalen Kompostion vollzieht der Künstler also den göttlichen Schöpfungsakt nach.“ (Hans.Thomas Gosciniak „Kleine Geschichte der islamischen Kunst“)
„Ein Stück Himmel“
Die Macht der Zeichnung beruht auf dem Prinzip der „denkenden Hand“(„Räume der Zeichnung“ Akademie der Künste Berlin). Es gibt da einen Raum, der Informationen, Gedanken, Gefühle enthält die nur übers Zeichnen, Schreiben oder Malen artikuliert werden können oder bei der Bewegung des Collagierens und Klebens bei den Rauminstallationen. Dieses Herumirren, wabern braucht eine Ausdrucksform. Man setzt seinen Körper in Bewegung. Eine mechanische Bewegung wie beim Laufen (oder beim Kreisen der Hand beim malerischen Prozess) und der Geist kann anfangen zu wandern. Der läuft dann einen anderen Weg.
„Ich kann besser denken, wenn ich male“ Rothko sagt, da er Maler wurde, nachdem er sprachlich konditioniert wurde, fiel es ihm schwer die richtigen Worte für seine Malerei zu finden.Es fehlt die analoge Ausdrucksweise.Die Zeichnung ist die Ausgangslage für die Bildkomposition. Ein Grundgerüst, die Struktur der Zeichnung gibt den Rhytmus des Bildes vor.
Der ganze Arbeitsprozess ist analytisch.
„Erst betrachte ich den Bildträger auf dem das Bild entstehen soll und meine Beziehung zu ihm. Dann nehme ich mein Werkzeug, ein Sieb auf dem die Zeichnung aufbelichtet ist, eine Methode die persönliche Zeichnung wie ein Werkzeug, einen Stempel zu benutzen. Ich nehme in der zweiten Phase mein Eingangsbild und überlasse mich einem Arbeitsprozess,der zwischen Format des Bildträgers, Form des Musterstempels (Zeichnung) und einem intuitiven Messapparat in meinem Innern hin und herschwingt und diese drei unterschiedlichen Mittel der Analyse, des Prozesses und der Meditation verbindet. Um den Raum zu erschaffen, der mir so vorschwebt, soll man sich die Wand wegdenken und dann so eintauchen als Mensch...den ganzen Raum wahrnehmen; Ich finde ja, dass es bei dem Blauen („Für Yves Klein“) für mich funktioniert. ich finde es irgendwie lustig, dass es wie ein Stück Himmel aussieht und es steht aber an der Wand. Ausblicke in einen imaginären Raum hinein. Letztendlich lösen sich diese Strukturen in der Malerei auf, dies hat inhaltliche Gründe. Das hat damit zutun, das ich finde, dass meine Zeichnung so eine scheinbare Eindeutigkeit abbildet. Ausgehend vom Bild, das Platons Höhlengleichnis zeichnet:
Platon beschreibt einige Menschen, die in einer unterirdischen Höhle von Kindheit an so festgebunden sind, dass sie weder ihre Köpfe noch ihre Körper bewegen und deshalb immer nur auf die ihnen gegenüber liegende Höhlenwand blicken können. Licht haben sie von einem Feuer, das hinter ihnen brennt. Zwischen dem Feuer und ihren Rücken befindet sich eine Mauer. Hinter dieser Mauer werden Bilder und Gegenstände vorbeigetragen, die die Mauer überragen und Schatten an die Wand werfen. Die Gefangenen können nur diese Schatten der Gegenstände wahrnehmen. Wenn die Träger der Gegenstände
sprechen, hallt es von der Wand so zurück, als ob die Schatten selber sprächen. Da sich die Welt der Gefangenen ausschließlich um diese Schatten dreht, deuten und benennen sie diese, als handelte es sich bei ihnen um die wahre Welt.
Ich versuche den umgekehrten Weg zu gehen, ich verunklare meine Zeichnungen durch die Malerei um damit dem Wesen der Dinge näherzukommen. Dieser umgekehrte Weg ist ein Mechanismus, eine Technik um mich selber in meinem bewussten Gestaltungswillen zu überlisten. So wie der Künstler Richard Long Zeichnungen von seinen Spaziergängen macht, die Natur oder das Erleben von Natur und Einsamkeit thematisiert (Mystik vielleicht auch) geht es bei mir auch um das Alleinsein, allein die Arbeit und ich im Raum. Es geht um Alleinsein und um Zeit. In der Astrologie wäre das 12. Haus eine Entsprechung für diesen Ort.“
Sind die fertigen Bilder Abbilder dieser Methode?
„Sie sind das was da ist. Damit bin ich ersteinmal zufrieden. Ich könnte es gar nicht benennen. Es scheint die Essenz zu sein, von dem was mich interessiert. Einerseits sind die Bilder abgeschlossen, weil es auch um ein fertiges Produkt, das für mich schön sein soll geht. (“Die Geschichte der Schönheit”, Umberto Ecco) Andererseits sind es Zwischenerscheinungen und Produkte von diesem ganzen Prozess, der wieder auf einem neuen Bildträger und in einer Raumsituation neu starten kann. Also eine Art work in progress. Ich habe zwar eine Vorliebe für die Leinwand, das ist aber vielleicht gar keine Überzeugung sondern eine Vorprägung.Der Bildträger kann sich im Zuge des Arbeitsprozesses also auch verändern, sowie ich bei den Rauminstallationen mit kopierten Versatzstücken meiner Zeichnungen arbeite.
Für mich bedeutet ein schönes Bild auch eine Sublimierung. Ein romantischer Zug in der Arbeit. Es sind ja auch Bilder. Nicht so wie früher bei den Installationen, die danach dann kaputt waren. Es soll schon ein bleibender Wert sein. Sie sind auch als Bilder gemacht, damit man sie verkaufen kann. Nicht wie bei der Arte Povera von Richard Long, informelle Malerei vielleicht als Bezug. Ich versuche das figurative Element wieder hineinzubringen als Thema, aber doch verschleiert, als Schein sichtbar, der nur sichtbar ist bei bestimmtem Lichtfall, nur spürbar als Relief.
Künstler, die mit meiner Arbeit zu tun haben:
Katharina Grosse:„thats where the process starts to be a secret language“
tomma abts:“ abts trägt die acryl und ölfarbe schicht für schicht auf die leinwand auf. der malvorgang wird immer wieder unterbrochen, ...um übermalt zu werden. hierdurch entstehen kanten, die gleich einem relief hervortreten.dies hat zur folge, das sich die arbeit nicht nur in der fläche, sondern auch in den raum hinein ausdehnt und eine plastische dimension erhält. („werke aus der sammlung boros“ museum für neue kunst zkm karlsruhe), peter kogler.“
(Auszüge und Gedanken aus einem Gespräch zwischen Karin Missy Paule und Kerstin Vornmoor, 2010)